Mystische Orte

Die Waldburg

 

Das Hotel auf dem Viktoriaberg in Remagen. Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, dass der Betrieb eingestellt wurde. Seitdem ist nicht viel übrig geblieben von der früheren Rheinromantik. Die einst grandiose Aussicht auf das Rheintal lässt sich heute nur noch erahnen. Die Natur hat sich in den letzten fünfzig Jahren ihr Fleckchen Wald zurückerobert. Beinahe schützend umschließt sie mit Efeuranken und dichtem Gestrüpp, das verlassene Gebäude, als hätte sie es in ihre Obhut genommen. Vier Mal hatte ich versucht die Ruine der Waldburg, auf eigene Faust, zu finden. Und vier Mal verfolgte ich fälschlicherweise die Spur des nur allzu ähnlich klingenden Waldschlößchens. Die Waldburg, jedoch ist etwas völlig anderes. Das habe ich letztlich aber erst durch Einheimische erfahren. Die Waldburg. Eine Burg im Wald? Schon der Name allein war es, der meine Neugierde weckte.  Ich wollte es mit eigenen Augen sehen, dass einst so beliebte Ausflugsziel, das Besucher von nah und fern herbeilockte.  Über einen eher unscheinbaren Pfad, der mit Himbeersträuchern und Brennnesseln gesäumt ist, gelangt man zu einer kleinen Lichtung. Teile einer Schranke ragen links und rechts aus der Erde, unweit dahinter verbirgt sich, in einem recht dunklen Teil des Waldes, ein baufälliges Haus, in dem wohl einst der Verwalter des Hotels wohnte. Das verfallene Haus bietet allen, die der Vergangenheit mit Ehrfurcht begegnen, einen sehr traurigen Anblick, denn an diesem Punkt steht man einem Stückchen Geschichte direkt gegenüber. Die Stufen, welche die Veranda hinaufführen, sind moosüberwuchert und zum Teil eingebrochen. Obwohl schon auch hier, ein Schild davor warnt, das Bauwerk zu betreten, ließ ich mich dennoch von meiner Neugier leiten und ging bis zur Treppenmitte. An dieser Stelle des Waldes schotten die Bäume beinahe jegliches Licht ab, sodass es einem schnell unheimlich vorkommt. Meine Anspannung steigerte sich, als ich sah, dass die Haustür offen steht und im Haus selbst nur Finsternis herrscht. Es erschien mir wie der perfekte Drehort für einen Horrorfilm. Das Haus bietet eine so unheimliche Atmosphäre, das es einem leicht die Sinne trüben kann, und ich bereits glaubte, im Schatten des alten Briefkastens, eine Gestalt entdeckt zu haben. Verfolgt man den Weg weiter, lässt sich, hoch oben zwischen den dicht aneinandergereihten Baumwipfeln der Turm erahnen, der das Herzstück der Waldburg war. Sein Bild erinnert ein bisschen an Rapunzel oder den Turm der bösen Hexe aus dem Film „Brothers Grimm." Dichtes Geäst versperrt einem den Weg zum zweiflügligen Haupttor, von dem die Reste einer geblümten Spitzengardine herabhängen. Überall blättert die weiße Farbe von den einst stilvollen Tür-und Fensterrahmen, ab. Nur die Sprossen, die sich über dem Tor befinden, fassen noch vereinzelt Glas. Allen anderen scheint es längst verloren gegangen zu sein. Vielleicht als Folge von Unwettern, Vandalismus oder der Zeichen der Zeit, die hier schlicht und ergreifend ihre Spuren hinterlassen haben. Vom Tor aus hat man einen guten Blick ins Innere. Hier habe ich meiner Fantasie freien Lauf gelassen und mir vorgestellt, wie prachtvoll diese Räume einmal gewesen waren. Schwer vorstellbar, mit wie viel Leben sie einst angefüllt waren. Keine Türen versperren die Sicht in die unterschiedlichen Zimmer des Erdgeschosses. Der Blick nach oben zeigt ein Stück mit blauen Fliesen verkleidete Wand und einen Wasserhahn, der noch immer daran angebracht ist. Dies muss eines der Badezimmer gewesen sein. Geradeaus sieht man direkt auf die Wendeltreppe aus dunklem Holz, die einst in den Turm führte. Das Geländer ist völlig verschwunden. Ihre morschen Stufen tragen längst niemanden mehr. Darunter ist ein klaffendes dunkles Loch, das den Gang in den Keller andeutet. Ein alter Schrank steht im Nebenraum. Er sieht aus, als würde er Mahnwache halten oder einfach nur darauf warten, dass die Hausherren zu ihm zurückkehren. Weiter rechts befindet sich ein langer Saal. Der einstige Speiseraum vielleicht? Ich wollte gerne glauben, dass dort früher viele wunderbare Feste gefeiert wurden, und konnte schon fast den Hochzeitswalzer hören.

Die Waldburg hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Möglicherweise trägt ihre, wie ich finde, immer noch traumhafte Lage dazu bei oder es ist Wilhelm Pilgers Geist, der den Hotelbetrieb einst eröffnete und immer noch dort präsent ist. Ich persönlich wünsche mir, dass sich nach all den Jahren vielleicht doch noch ein Investor findet, der sie kauft und das rettet, was noch zu retten ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Bilder von der Waldburg

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Kommentare: 1
  • #1

    Aragon (Mittwoch, 22 Oktober 2014 15:47)

    Hallo Claudia,
    ein wirklich ganz schöner toller Bericht über dieses Waldschlösschen! Leider ist es mir noch nicht gelungen es zu finden. Hoffe es klappt beim Versuch nr 5.